Viele kennen ihn, ohne es zu wissen: In der Form von Obsidian begegnet Rhyolith Millionen Menschen täglich auf dem Bildschirm. Im Computerspiel Minecraft, dem erfolgreichsten Videospiel aller Zeiten mit über 300 Millionen verkauften Lizenzen, ist Obsidian eines der härtesten und begehrtesten Materialien. Er ist dort für seinen besonders hohen Explosionswiderstand bekannt. Was digital fasziniert, hat jedoch einen sehr realen geologischen Ursprung.
Die Taufe des Gesteins des Jahres 2026, Rhyolith, wird am 20. September 2026 in unserem GEOPARK Sachsens Mitte am Nationalen Geotop "Porphyrfächer" im Tharandter Wald stattfinden.
Rhyolith ist ein faszinierendes magmatisches Gestein aus der Gruppe der Vulkanite. Er entsteht, wenn saure Magmen an die Erdoberfläche aufsteigen und dort abkühlen. Rhyolith zählt deshalb zu den silikatreichen Vulkaniten und bildet das vulkanische Äquivalent des Granits. Der Begriff „Rhyolith“ wurde 1860 von Ferdinand von Richthofen geprägt, er leitet sich aus den griechischen Wörtern ῥεῖν (rhêin) - „fließen“ und λίθος (líthos) - „Stein“ - ab. Historisch und im Alltagsgebrauch - auch der Natursteinindustrie – wird der Rhyolith vielfach auch als Porphyr oder Quarzporphyr bezeichnet. Kühlt diese Lava sehr schnell ab, bildet sich schwarzes vulkanisches Glas - Obsidian.
Genau dieses Material hat es aus der Natur in die digitale Popkultur des Computergames Minecraft geschafft. Doch Rhyolith kann weit mehr als nur Spielwelten prägen.
Noch heute können wir Zeugen seiner Bildung werden. Insbesondere seine explosive Entstehung mit verheerenden pyroklastischen Strömen und gigantischen Aschewolken ist gleichermaßen faszinierend wie furchterregend. Der rhyolithische Vulkanismus zeichnet sich vor allem durch explosive Ausbrüche aus, bei denen pyroklastische Ströme und riesige Aschewolken entstehen. Die Eruptionsmechanismen können teils katastrophale Ausmaße annehmen und prägen oftmals eine charakteristische Landschaft. Unbedingt erwähnt werden muss der Ausbruch des Vesuv im Jahre 79 n. Chr., als die Stadt Pompeji unter der einer Glutlawine verschüttete wurde.
Mineralische Zusammensetzung
Mineralogisch besteht der Rhyolith überwiegend aus Quarz und Feldspat, insbesondere Alkalifeldspat. Als Begleitminerale können Biotit, Amphibol oder Pyroxen auftreten. Das Gestein zeigt meist helle Farben – grau, gelblich, rötlich oder rosa –, die von der Zusammensetzung und dem Oxidationsgrad der Minerale abhängen. Charakteristisch sind auch fließartige Strukturen, die beim Ausfließen der Lava oder bei der Ablagerung von pyroklastischen Strömen entstehen.
Relikte des Vulkanismus finden sich heute in Form von Rhyolithen in Deutschland, beispielsweise im Schwarzwald, im Saar-Nahe-Becken, im Odenwald, im Thüringer Wald. Mit einer Gesamtfläche von über 2.000 km² ist der Nordsächsische Vulkanitkomplex das größte aufgeschlossene Calderensystem Mitteleuropas aus dieser Epoche. Er besteht aus zwei mächtigen Ignimbritabfolgen, dem Rochlitz- und dem Wurzen-Ignimbrit, die aus Glutwolkendecken gigantischer Eruptionsereignisse hervorgegangen sind. Der Rochlitzer Porphyrtuff, ein Rhyolith, wurde im November 2022 von der International Union of Geological Sciences (IUGS) als erstes Gestein Deutschlands zum „Heritage Stone” und damit zum „Naturstein-Welterbe” ernannt. Der Rochlitzer Porphyrtuff diente zahlreichen historischen Bauwerken als Baustoff. Bekannte Beispiele für die Verwendung dieses charakteristischen Gesteins sind die Basis des Grunewaldturms, der Bärenbrunnen in Berlin sowie das Grabmal von Immanuel Kant im heutigen Kaliningrad. Unzählige Kriegsdenkmale in ganz Deutschland wurden daraus gefertigt. Auch auf der exklusiven Shopping Malls Hamburgs, der „Neue Wall“ ist Rochlitzer Porphyr vertreten.
In der Antike entwickelte sich der Porphyr, insbesondere der rote Porphyr aus Ägypten, zu einem Gestaltungsmerkmal herausgehobener Herrschaftsbereiche, zum „Stein der Kaiser“, der nur für die Bauten und Einrichtungsgegenstände der Mächtigsten verwendet werden durfte.
Die wirtschaftliche Bedeutung des vergleichsweisen harten und widerständigen Rhyoliths beruht darüber hinaus auf seinem Einsatz im Straßenbau, als Bahnschotter, als Betonzuschlag und als Wasserbaustein.
Quelle: BDG - Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e.V.
Das „Wundermineral“ Gips: Unendlich recycelbar
Mit dem neunten Mineral des Jahres treffen wir erneut auf ein seit mehreren Jahrtausenden bekanntes Material – Gips. So wurde Gips bereits in der Jungsteinzeit als Baumaterial, später in der Dekoration oder in der Medizin verwendet.
Wie hoch die Relevanz von Gips ist, zeigt sich darin, dass Gips- und Anhydritgestein, welche zu großen Teilen aus dem Mineral Gips bestehen, bereit vor einigen Jahren zum Gestein des Jahres 2022 gewählt wurde.
Das monoklin kristallisierende Mineral Gips besteht aus Calcium, Schwefel, Sauerstoff und kristallinem Wasser (CaSO4·2 H2O). Dieses enthaltene Kristallwasser ist einer der wesentlichen Gründe für die bis heute anhaltende, weit verbreitete Verwendung von Gips. Daraus resultiert seine Fähigkeit, unendlich oft wieder aufbereitet werden zu können. So wird dem Grundmaterial Gips etwa drei viertelseines Wassers entzogen um, z.B. den uns bekannten Gips aus dem Baumarkt zu erhalten. Diesem Gips wird anschl. wieder Wasser zugeführt, bevor wir ihn weiterverarbeiten können. Später, wenn der verarbeitete Gips zur Entsorgung ansteht, wird er dem Kreislauf wieder zugeführt, gebrannt, gemahlen und erneut verpackt. Dass Gips als quasi unbrennbar gilt, ist ein weiterer Grund für seine Beliebtheit.
Aus mineralogischer Sicht ist der Gips ein interessantes Mineral, bildet er doch oft attraktive Kristalle, von millimeter- bis Metergröße. Die größten bekannten Kristalle bis ca. 15 Meter Länge wurden in Naica (Mexiko) gefunden. Kleinstkristalle bilden sich in in fast allen Gesteinsarten bis hin zu Verhüttungsschlacken.
Das Mineral des Jahres 2026, Gips, wird im Rahmen der VFMG-Frühjahrstagung in München am 18. April 2026 im Museum Mineralogia (Mineralogische Staatssammlung, Theresienstr. 41, Eingang vom Marianne-v.-Werefkin-Weg, 80333 München) der Öffentlichkeit vorgestellt.
Quelle: Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie e.V.